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On the R(o)ad across America

The loneliest Road in America – Part II (Wind hit’s us hard)

Donnerstag, 14.04.16

Während Albert sich um 07:30 aus dem Bett raffte um mit Angela im Cafe zu frühstücken, genossen Basti und ich noch eine Weile das warme und bequeme Bett. Mit Albert kam auch eine Hiobsbotschaft, es schneit. Ebenso sollte es am Abend anfangen stärker zu schneien und extrem kälter werden. Nach einem kurzen Meinungsaustausch wurde sich darauf geeinigt, dass wir versuchen die 111 KM entfernte Stadt Eureka zu erreichen. Nachdem Angela unbedingt noch ein Foto machen wollte, verschob sich die Abfahrt immer weiter nach hinten, so dass wir erst um 11:00 loskamen.

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Die Stimmung natürlich stark getrübt, wussten wir doch dass es eine lange Tour mit drei Pässen werden würde, ging es gleich bergauf über den Austin Summit auf 2.286 Höhenmeter. Die Landschaft verschönerte sich umso höher wir kamen. Die Wiesen grün und sogar Bäumen waren wieder zu sehen. Danach folgte der Hickison Summit auf 1.800 Höhenmeter. Was danach folgte war purer Wahnsinn. Wir flogen förmlich nach Eureka. Getragen von einem extrem Rückenwind sausten wir eine endlos lange gerade Straße nach Eureka, um nach einer Rekordzeit dort anzukommen und jetzt insgesamt 800 KM hinter uns liegen.

Um auf Nummer sicher zu gehen wurde wieder ein Motel genommen, um sich aufwärmen zu können und den Schnee zu vermeiden. Nach einem Essen wollten wir Eureka erkunden. Die Stadt boomte in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als dort das zweitgrößte Silbervorkommen Nevadas gefunden wurde. Um so weniger die Minen auswarfen, um so weniger Einwohner besiedelten Eureka. Heute wohnen etwa 900 Menschen in diesem kleinen Örtchen, was sehr wie eine alte verlassene Westernstadt aussieht!

Fahrtkilometer: 111
Höhenmeter: 957
Fahrtzeit: 4:49 Stunden

Freitag, 15.04.16
Was für ein Tag, ein Tag zum vergessen.

Aber zu erst, ein kurze Info zur Geografie der USA. Anders als z. B. die Alpen in Europa, die sich quer durch Europa ziehen, bewegt sich in den USA jedes großes Gebirge, sei es die Sierra Nevada, die Rocky Mountains oder die Appalachen, von Norden nach Süden. Das bedeutet für uns, die quer durch Amerika wollen vor allem zwei Sachen. Einerseits müssen wir fast durchgehend über Gebirge fahren und Berge erklimmen, andererseits gibt es durch diese Gegebenheit keine Gebirgskette die Kaltwetterfronten abhalten bis in den Süden zu ziehen. Und dieser Fakt ging uns heute richtig auf die Nerven.

Der erste Blick aus dem Zimmerfenster senkte die Stimmung schlagartig. Es hat geschneit und nicht nur das. Über Nacht gab es einen Kältesturz auf 5 Grad. Einen weiteren Tag wollten wir jedoch auch nicht in Eureka bleiben, daher ab aufs Rad und versuchen Ely in 125 KM zu erreichen. War der erste Berg, Pinto Summit auf ca. 2.100 Höhenmeter, noch super zu erklimmen und die Abfahrt ein Traum war das folgende eher ein Albtraum. Auf einer ewig langen Flachebene kam nicht wie gestern Rückenwind, sondern heftiger Gegenwind von vorne links. Das gepaart mit dem kalten Wetter ließ die Temperatur in die gefühlten Minusgrade absacken. Ebenso fand ich mich öfters im Kiesbett neben der Straße wieder. Durch meine große Angriffsfläche und relativ leichtes Gewicht stießen mich die plötzlich kommenden Böen immer wieder von der Straße.

Zwei weitere Berge mussten erklommen werden um wenigstens den nächsten Campingplatz zu erreichen. Jeder Berg wurde jetzt zum Hoffnungsschimmer, da dort zu erwarten war dass kein Wind vorherrscht. Der nächste Pass, Pancake Summit, hatte natürlich auch keine Pfannkuchen anzubieten, was auch zu schön gewesen wäre.

Nach einer gefühlten Ewigkeit überwunden wir den letzen Berg ‚Little Antelope‘ und machten uns auf den Weg zum Campingplatz im Illipah Reservoir.

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Essen machen im Klo, weil der Wind zu stark ist.

Essen machen im Klo, weil der Wind zu stark ist.

Dachten wir dort vom Wind geschützt zu sein, stellte sich genau das Gegenteil heraus, der Wind pfiff noch mehr. Mit Mühe uns Not stellten wir unsere Zelte etwas geschützt auf. Davor mussten wir jedoch noch eine Bank aus der Verankerung holen um dort Platz zu finden. In einem plötzlich anfallenden Fressflash schnackte Basti alle seine Corny-Riegel weg. Nachdem er auch noch unsere, am morgen erst gekauften Bananen, während der Fahrt verlor und wir statt Dosenspaghetti, nur Spaghettisauce einkauften (Die Verpackung sah aus, als wären da Spaghetti und Sauce drin, ehrlich) werden unsere Vorräte knapp. Jetzt hoffen wir auf morgen, dass das Wetter mit uns gnädig ist.

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Fahrtkilometer: 68
Höhenmeter: 967
Fahrtzeit: 4:11 Stunden

Samstag, 16.04.16
‚Same sh*t, different day‘ würde der Amerikaner sagen.

Nach einer langen, windigen und richtig kalten Nacht stiegen wir, natürlich noch in Hosen, Socken und Pullis, aus unseren Schlafsäcken. Über Nacht bildete sich eine richtige Eisschicht auf den Zelten, ebenso waren unsere Wasserflaschen komplett eingefroren.

Wir wollten einfach nur noch Ely erreichen. Dies wurde sogleich erschwert, da wieder eine Speiche sich vom Acker machte. Nach 25 Minuten rumstehen und probieren es zu richten, wurde nur das Eiern gestoppt und die Speiche nicht neu eingesetzt. Es sollte und musste bis Ely reichen, um dort vielleicht eine neue Felge zu ergattern.

Als es dann los ging, kam der Wind wieder von vorne. Mit einem einstelligen Km/H-Schnitt wurde die erste Flachebene bezwungen und der langgezogene Robinson Summit war zum Glück relativ windgeschützt. Danach stand der Wind etwas günstiger, so dass wir nach 4 Stunden Ely erreichten. Das war aber auch genug für den Tag. Danach wurde Albert’s Rad leider nicht gewechselt, sondern wieder nur neue Speichen eingesetzt. Mal sehen wie dass noch so weiter geht.

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Seit Carson City wissen wir von einem weiteren Deutschen, Tobias, der ebenfalls von San Francisco bis nach New York fährt, jedoch eine andere Route. Heute holte er uns ein. Am Abend wurden die bisherigen Erlebnisse ausgetauscht und Bier getrunken.

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In Ely wurde die billigste Absteige angesteuert um nicht wieder frieren zu müssen. Morgen soll diese ‚Loneliest Road‘ endlich bezwungen werden. Das bedeutet 100 KM bis nach Baker. We will see.

Fahrtkilometer: 69
Höhenmeter: 510
Fahrtzeit: 4:00 Stunden

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1 Comment

  1. diegrößstenfans April 17, 2016

    Eure Berichte sind so gut geschrieben, mussten oft lachen z.B. als Basti alles aufgegessen hat oder ihr nach Eureka „geflogen“ seid, es sei euch gegönnt, nachdem ihr so starken Wind hattet 😉
    Wir fiebern mit euch und sind voller Vorfreude auf den nächsten Blogeintrag! Keep going!
    Franny und Mama

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