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On the R(o)ad across America

Loneliest Road – Part III / Meilensteine / Probleme

Sonntag, 17.04.16
Um 09:30 Aufbruch nach Baker. Dem letzten Ort auf der einsamsten Straße der USA. Tobias schloss sich natürlich an, stimmt seine Route bis nach Utah mit unserer überein.

100KM sollten überwunden werden. Der erste Pass ‚Connors Pass‘ schnell überwunden, zog sich das anschließende Spring Valley wie Kaugummi. Die lange Flachebene wurde wieder zur Windfalle, drückte dieser doch wieder aus der falschen Richtung. Das einzige Richtige dort waren die Windräder, diese müssten bei diesem Wind eigentlich die kompletten USA versorgen können, so wie das gepfiffen hat.

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Die ‚Stahlwade‘ machte ihrem Namen wieder alle Ehre und zog uns durchs Tal. Es ist schon deprimierend, wenn man sieht es geht bergab aber man muss ordentlich in die Pedale treten um voran zu kommen, aber naja. Tobias konnte endlich mal Windschatten genießen, war er doch bisher den kompletten Weg allein gefahren. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam die mit Sehnsucht erwartete Rechtskurve die uns Rückenwind bescheren sollte. Allerdings kam dazu noch ein saftiger Anstieg hoch zum Sacramento Pass. Der letzte Pass auf der ‚Loneliest Road‘.

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Endlich geschafft ging es bergab nach Baker. Den verlassensten Ort auf dem Highway hatten sie sich für den Schluss aufgehoben. Das 60 Seelen Örtchen hatte wenigstens einen Campingplatz zu bieten. Zelte aufschlagen und den Abend genießen.

Auf der heutigen Etappe wurden gleich mehrere Meilensteine erreicht. Die ersten 1.000 Kilometer sind hinter uns, 10.000 Höhenmeter sind schon bewältigt und wir haben endlich die ‚Loneliest Road in America‘ überlebt. Jetzt geht es ab nach Utah.

‚Ein Fuchs muss tun, was ein Fuchs tun muss‘ – Absolute Beginner-Füchse

So oder so ähnlich muss ich mich wohl schlagen, da Albert mir jetzt meinen Spitzname gegeben hat. ‚Wüstenfuchs‘, da ich mich einsam durch die Wüste Nevadas kämpfe und jeden Berg ohne anzuhalten erklimme.

Fahrtkilometer: 99
Höhenmeter: 987
Fahrtzeit: 5:25 Stunden

Montag, 18.04.16
Exkurs zur ‚Loneliest Road in America‘. 1986 beschreibt das LIFE Magazin den Highway 50 aka ‚Loneliest Road in America‘ in Nevada folgend: (frei übersetzt)

„‚Dort ist nichts. Es gibt keine interessanten Plätze zu begutachten. Wir empfehlen es nicht, meinte ein Ratgeber des Amerikanischen Automobilclubs (AAA).‘ Die 287 Meilen von Ely nach Fernley beherbergt 9 Städte, zwei verlassene Minen, ein paar Tankstellen und ab und an mal einen Kojoten. ‚Wir warnen alle Autofahrer nicht diese Straße zu fahren, sagt ein AAA Vertreter, außer sie haben außerordentliche Überlebensfähigkeiten.“

Wir brechen unsere Zelte früh in Baker ab, aber zu spät um im einzigen Laden einkaufen zu können. Der schließt nämlich um 10:00 Uhr. Zwar haben wir den Highway 50 überlebt, dennoch hören die Berge nicht auf. Bis in den nächsten Ort Milford sind es 135 KM und drei Pässe.

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Nach 15 KM werden zwei weitere Meilensteine erreicht. Wir erreichen den nächsten Bundesstaat, Utah und wir haben die erste Zeitzone hinter uns gelassen. Wir befinden uns nun acht Stunden hinter deutscher Zeit in der Mountain Standard Time.

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Utah, der 45. Bundesstaat der USA, ist vor allem für den großen Anteil von Mormonen unter der Bevölkerung bekannt. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage (Mormonen) bezahlte seinen Anhängern im damaligen Osten der USA bzw. in Europa ab 1850 die Anreise nach Utah. So erklärt sich der große Anteil an Mormonen.

Wir rollen gemütlich voran als, mal wieder, Albert’s Drahtesel Probleme macht. Erst bricht die Hülle an seiner Gangschaltung, was bedeutet das er nur runter aber nicht rauf schalten kann. Dann springt auch noch die Kette so blöd heraus, das es eine Viertelstunde dauert bis wir weiter können. Es wird nicht das einzige Problem heute bleiben. Mittags halten wir an einem verlassenen Haus, das einzige Haus der Strecke. Dieser Abschnitt hätte sich den Namen Loneliest Road mehr verdient, hier ist nichts. Auch sehen wir heute ca. 10 Autos, wenn überhaupt. Des Weiteren säumten sich an der Straße die Kadaver und Skelette von toten Tieren.

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Der zweite Berg, war auch der letzte Berg für heute. Nach einem kraftraubenden Anstieg brach auch noch Basti’s Gepäckträger, jedoch konnte das gute alte Panzertape die gebrochenen Stellen erstmal fixieren. Nach 82 KM wurde auf dem Gipfel, mit wundervoller Aussicht, das Nachtquartier aufgeschlagen um morgen frisch bis nach Milford oder Beaver fahren zu können.

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Fahrtkilometer: 82
Höhenmeter: 723
Fahrtzeit: 4:27 Stunden

Dienstag, 19.04.16
Langsam steigt die Frustration immer mehr. Wir kamen heute keine Meile, da riss schon wieder eine Speiche. Das ist jetzt schon die Fünfte seit Carson City. Zur Zeit geht es auch von einem Kuhkaff ins Nächste. Das ist zwar einerseits schön, da so erstens kaum Verkehr herrscht und zweitens, es ziemlich nervt durch große Städte mit vielen Ampeln zu fahren. Anderseits gibt es so kaum Verpflegungsmöglichkeiten und eben keinen Fahrradladen, in dem endlich ein neues Hinterrad ergattern werden kann. So wird erstmal an den Speichen gedreht um die Acht raus zu bekommen und dann weiter. Jetzt ist klar, erstmal Milford ansteuern.

Heute steht nur ein Pass an. Basti, als Routenplaner, meinte natürlich dass die Pässe erstmal lächerlich sind. Das stellte sich allerdings anders dar. Knackige 486 Höhenmeter ging es in wenigen Kilometern hoch. Dafür danach eine lange Abfahrt in die erste Stadt in Utah.

Heute haben wir zum ersten Mal eine Unterkunft über WarmShowers.org gefunden. Die Dame kam erst um 18:00 Uhr heim. Daher ging es für uns Mittags erstmal ins Diner. Jeder einen fetten Burger und danach noch Pancakes, war der Hunger nämlich noch nicht gestillt.

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Der Stadtpark, in dem wir noch Sonne tanken wollten, entpuppte sich als Wiese mit einem Spielplatz direkt neben dem Friedhof. Etwas surreal, hauten wir uns doch ohne Shirt aufs kalte Gras. Derweil wurde noch Albert’s Peugeot repariert. Wir werden sehen wie das noch weiter geht, es schlaucht definitiv. Vor allem Albert. Mittlerweile muss jederzeit damit gerechnet werden, dass die nächste Speiche reißt.

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Kurz nachdem wir einkaufen waren, trafen wir Renee und ihren Mann in ihrem Haus. Warm Showers ist ähnlich wie Couchsurfing aber auf Radfahrer angelegt. Sie leben in einem riesigen Anwesen, was auch das erste Haus in Milford war, gebaut 1876. Nach einem kurzen Rundgang wurden uns Renee’s ‚Haustiere‘ gezeigt. Neben Fröschen beherbergt sie eine Python und eine Tarantula, ganz schön aufregend. Morgen soll dann Circleville angesteuert werden, wahrscheinlich dann auch wieder zu Dritt. Tobi’s Route geht entlang des Süden’s der USA.

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Fahrtkilometer: 52
Höhenmeter: 486
Fahrtzeit: 2:45 Stunden

Stahwade, Bergschlange und Wüstenfuchs

 

 

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1 Comment

  1. Didi April 20, 2016

    Hallo ihr super Helden, Werner hat mir heute den Link zu eurer Webside geschickt, ich bin hin und weg, da ist ein Alpencross was für Warmduscher, wenn ich eure Berichte lese. Also haltet uns auf dem Laufenden und wie wir unter uns Bikern sagen „immer Kette rechts“ LG Didi

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