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On the R(o)ad across America

Durch Stimmungstief und auf der Autobahn nach Colorado

Samstag, 23.04.16
Stimmung am Tiefpunkt. Stimmung ganz weit oben

Nach einer super Nacht in the middle of nowhere starteten wir schon um 08:45 Uhr, um rechtzeitig Moab zu erreichen, jedoch mit Loch in Basti’s Packsack. Die Mäuse haben sich wohl daran vergriffen.

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Nach 20 KM erwartete uns schon wieder „Straßen“ die für unsere Schmuckstücke ungeeignet waren. Abwechselnd ging es auf Schotter, Sand und einer alten Straße, die sich die Natur langsam zurückholt. Es ging sogar soweit, dass die Straße, plötzlich aufhörte und es 5 Meter in die Tiefe ging. Absoluter Horror. Nach einer gefühlten Ewigkeit und mehr geschobenen KM als gefahrenen die erlösende Rettung. Eine Straße nach Green River.

In der angefahrenen Tankstelle kam der ganze Frust der letzten Tag hoch. Jeder hat andere Vorstellungen von der Tour und alles unter einen Hut zu bekommen ist einfach schwierig. Das größte Problem ist aber zurzeit das instabile Rad Albert’s und der Zeitdruck. Wir müssen am 03.05. in Denver ankommen und bis dahin sind es noch 800 Km… durch die Rocky Mountains. Dem entsprechend sank die Stimmung und der Optimismus das zu schaffen auf den Tiefpunkt. Ebenso wurde diskutiert ob wir überhaupt den Umweg über den Arches Nationalpark machen sollten. Eine andere Option bestand aber nicht wirklich, wollten wir doch dort die Räder auf Vordermann bringen lassen.

Mit gedrückter Stimmung also wieder aufs Rad und die letzten 80 KM machen. Und schon wieder das gleiche Spiel. Straßen vom Kaliber Endzeit. Der ‚Old Highway 6‘ entpuppte sich als aufgeplatzte und von Unkraut überwucherte Straße. Danach ein ‚Schleichweg‘ um nicht auf die Interstate zu müssen. Der Traum jedes Motocross- oder Wüstenbuggy-Fahrers, der Horror für uns. Alles voller Sand aber ohne Asphalt oder wenigstens Schotter. Kuhherden blockierten teilweise den Weg.

Endlich auf dem Weg direkt nach Moab angekommen und dann die Enttäuschung. Auf dem vierspurigen, vielbefahrenden Highway 191, teilweise ohne wirklichen Seitenstreifen, mussten wir 40 Km gen Süden. Wir fuhren teilweise schräg weil der Wind von der rechten Seite pfiff und Böen uns oft fast bis in die Straße drückten. Da war die Einsamkeit am Highway 50 nichts dagegen, das war mit Abstand das Gefährlichste bisher. Eine Unaufmerksamkeit drückt dich da vor den LKW und vorbei ists.

Doch wie aus dem nichts, ein Fahrradweg und dann noch der erste Blick auf den Arches und Canyonlands Nationalpark und all die Mühe, der Frust und die Betrübtheit waren weg. Ein Traum von einer Kulisse tat sich vor uns auf. Wirklich fehlten nur Dinosaurier um in der Zeit zurückgeworfen zu werden.image

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In Moab, dem Ausgangspunkt in den Arches Nationalpark, konnte auch endlich Albert’s Peugeot eine Runderneuerung bekommen und Basti einen neuen Gepäckträger.

Dieser Tag hatte alles, aber auf den ersten Teil können wir gerne verzichten.

Fahrtkilometer: 121
Höhenmeter: 630
Fahrtzeit: 6:25 Stunden

Sonntag, 24.04.16
Ruhetag, endlich.

Moab ist eines der Mekkas für Outdoorsportler. Von Downhill-Biking bis Whitewater-Rafting kann hier alles gemacht werden. Der richtige Ort für unsere Pause. Moab ist auch Ausgangspunkt für den Arches Nationalpark. Arches heißt übersetzt Bogen und das zeichnet auch den, mit 1.200.000 Besuchern jährlich einer der größten, Nationalpark aus. Die Bögen entstehen im Laufe der Zeit durch Wind und Regen, bestehen die Felsen aus Sandstein.

In dieser Woche ist in den USA ‚National Park Week‘. Alle Nationalparks stehen kostenlos den Besuchern offen. Für uns Fluch und Segen zugleich. Keine Eintrittskosten, aber Moab ist heillos überlaufen und es war schwer überhaupt einen Campingplatz zu finden.

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Mit zwei Französinnen, die uns mit in den 10 KM entfernten Arches NP nahmen, starteten wir um 08:30 Uhr um den Massen und der zu Mittag einsetzenden Hitze zu entgehen. Wir wollten im Devils Garden den längsten Trail, mit ca. 12 KM, zu laufen. Unser heutiges Laufpensum entspricht übrigens dem fünffachen, was ein durchschnittlicher Amerikaner in der Woche läuft (2,25 KM). Durch riesige, rote Felsvorsprünge ging es mit dem Auto 20 KM weiter in den Park. Absolut traumhaft. Der Trail hatte es doch in sich, jedoch lag das wohl auch an unseren schweren Beinen. Die Reihenfolge spiegelte auch beim Laufen die auf dem Rad wieder. Albert ganz vorne, Basti irgendwo in der Mitte und ich abgeschlagen hinten. Nach 3,5 Stunden war der Weg hinter uns gebracht.

Die Damen wollten weiter im Park bleiben, daher galt für uns Daumen raus und nach oben, umd wir hatten Glück, das vierte Auto nahm uns mit. Auf der Ladefläche ging es bis zum Visitor Center und dann ab zurück nach Moab.

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Rich, ein ehemaliger Anwalt und jetziger Lehrer, lud uns zu BBQ und Bier ein. Ein super leckeres Essen, war es auch das erste BBQ in den USA. Danach wurden die Füße hochgelegt, Wäsche gemacht und eingekauft um morgen wieder voll durchstarten zu können.

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Montag, 25.04.16
Heute war alles dabei.

Bevor wir aus Moab verschwinden, musste entschieden werden welche Route genommen wird. entlang an der Autobahn I-70 oder durch den Süden Colorados, aber mit mehr Höhenmeter. Einige Locals versprachen uns tolle Landschaften auf der I-70 Route, daher wurde nun die nördlichere Variante gewählt.

Davor noch eine Überraschung. Bisher hatten wir von jedem State den wir durchquerten ein Nummernschild ergattern am Wegesrand. In Utah leider bisher noch nicht, jedoch versprach uns gestern eine Verkäuferin in der Innenstadt von Moab uns eines vorbeizubringen. Wir glaubten nicht wirklich daran, doch stand sie tatsächlich heute vor dem Campground mit dem Nummernschild von Utah. Tolle Frau.

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Die beeindruckende Landschaft ließ nicht lange auf sich warten. Das wahrscheinlich schönste Stück der Tour ging 60 KM entlang des Colorado River durch eine 200 Meter Schlucht. Da dort auch kaum Verkehr herrschte war das ein super Einstieg in den Abschnitt nach Denver.

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Die ersten 80 KM waren schnell erreicht und in Cisco, einer verlassenen Stadt Rast gemacht, doch kurz danach die Ernüchterung. Es gab keinen Weg ausser über die Autobahn auf den Highway 6 in Richtung Grand Junction. Also hieß es Zähne zusammenbeißen und die 20 KM so schnell wie möglich hinter uns bringen. Nach 40 Minuten endlich runter und gemütlich neben der Autobahn auf einem alten Highway weiter rollen.

Nach 100 KM wurde auch die Grenze zu Colorado überschritten. Colorado ist der höchstgelegene Staat der USA und beherbergt die Rocky Mountains. Die nun für uns anstehen.

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Nach 170 KM, neuer Rekord, rollten wir in die Einfahrt der Lipton’s ein. Ein Fahrradverrücktes Ehepaar, dass uns über Warm Showers anbot, bei ihnen zu übernachten. Ed und Maggie, er ehemaliger Anwalt und sie Krankenschwester, veranstalten seit 20 Jahren ein Fahrradrennen, deren Gewinne an das örtliche Krankenhaus fließen. Wir wurden zum Essen eingeladen und ein netter Abend ging mit Geschichten über’s Fahrrad fahren, Reisen und zukünftige Pläne zu Ende.

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Fahrtkilometer: 170
Höhenmeter: 1082
Fahrtzeit: 7:44 Stunden

 

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3 Comments

  1. Diegrösstenfans April 26, 2016

    Emotionen pur , auch hier bei uns , wieder toller Bericht und super Bilder , tolle Menschen die ihr dort trefft ,
    Verliert den Kopf nicht, wir fiebern mit, dass ihrs rechtzeitig nach Denver schafft! Just Do it.
    Mama und Franny

  2. Robert Mai 9, 2016

    Hallo Ihr Drei!

    Respekt…durch Höhen und Tiefen, wie im wahren Leben!
    Ihr schafft das und werdet gestärkt ankommen!
    Da wäre ich gerne mit gefahren….
    Buen Camino eines Pilgers vom Jakobsweg….
    Lg Robert

    • ontheroad Mai 13, 2016 — Post Author

      Danke Robert! Dir auch eine gute Zeit auf dem Jakobsweg!

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