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On the R(o)ad across America

2.000 KM gefahren und jetzt über die Rockys

Dienstag, 26.04.16
Regen, Regen, Regen

Nachdem wir am Frühstückstisch mit den Lipton’s unsere Route besprachen, stellte sich heraus das die Autobahn 70 ein offizieller Fahrradweg ist. Zumindest auf Strecken, auf denen keine alternative Straße zur Verfügung steht. Man stelle sich das in Deutschland vor, da gibt es dann wenigstens mal eine Radiomeldung über einen.

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Wir verabschiedeten uns von Ed und Maggie in Richtung Innenstadt um mein iPhone zu reparieren zu lassen und dann weiter Richtung Denver zu fahren. Um 12 Uhr starteten wir dann richtig und auch richtig im Regen. Heute zogen dunkle Wolken über die Berge die uns unangenehmes Wetter besorgten.

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Ca. 30 KM ging es trotz Regen gut voran, als wir den Autobahn-„Fahrradweg“ wieder benutzen mussten. Der Regen verstärkte sich immer mehr, irgendwann ging dieser sogar in Hagel über. Die Autobahn geht entlang des Colorado River durch ein wundervolles Canyongebiet, doch genießen konnten wir das nicht wirklich. Zwar ist der Seitenstreifen 3 Meter breit, doch sicher fühlt man sich nicht. Nach 20 KM auf der Autobahn, auch noch eine Baustelle, die den Verkehr auf den Seitenstreifen umleitete. Auf 500 Meter rauschten die Autos und LKWs mit keinem Meter Abstand vorbei. So hatten wir uns das alles nicht vorgestellt. Nach insgesamt langen 30 KM erreichten wir die Ausfahrt, die auf den alten Highway 6 führt.

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Die Interstate 70, die vor 20 Jahren fertiggestellt wurde, sorgte für den Untergang einiger Städte, wie z. B. Cisco, dass wir gestern durchquerten. Diese Orte lagen am „Old Highway 6“, der durch die Interstate ersetzt wurde. Die Orte lebten meistens vom Durchgangsverkehr und auch wenn sie nur 3 KM Luftlinie von der Interstate liegen, sind sie komplett verlassen.

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Nach weiteren 20 KM waren wir von oben bis unten durchnässt und gönnten uns ein Motel im beschaulichen Ort Parachute. Morgen versuchen wir uns unter den ersten Pass zu kämpfen, sofern das Wetter mitspielt.

Fahrtkilometer: 85
Höhenmeter: 429
Fahrtzeit: 4:04 Stunden

Mittwoch, 27.04.16
Nachdem wir von unserem Free Breakfast etwas mehr erhofft hatten, starteten wir relativ früh um Gypsum zu erreichen.

Neben der Autobahn ging es für 4 Meilen entlang, als sich vor uns eine Baustelle auftat. „Ne hier könnt ihr nicht durch, wird gerade geteert.“ Der Baustellenleiter ließ nicht mit sich reden. Es gab keine alternative Route außer die Autobahn. Wir wollten aber ebenso nicht 4 Meilen wieder zurück. Nach 300 Metern Rückfahrt gab es an einer kleinen Stelle einen Weg vorbei am Stacheldraht auf die Autobahn. Mit Müh und Not wurden die Räder durch gehievt und wir mussten wieder auf die Autobahn. Dort knacken wir übrigens auch die 2.000 KM Marke.

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Die Fahrten auf der Autobahn werden langsam zur Gewohnheit, Spaß machen sie aber immer noch nicht. Teilweise werden die Seitenstreifen bis zu einem Meter eng. Dazu noch Leitplanke direkt daneben. Man fühlt sich extrem eingeengt ohne wirklichen Ausweg. Wir sind jedes Mal froh, runter zu sein. Heute waren es 15 KM auf unserer geliebten I-70.

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Doch nach der Autobahn gab es auch endlich einen Radweg. Circa 25 KM schlängelt sich der Radweg neben oder unter der Autobahn entlang des Colorado River durch die Schluchten des Glennwood Canyon. Das war eine nötige Abwechslung, ist doch die Fahrt dort wesentlich entspannter und ungezwungener.

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Der 2.333 km lange Colorado River ist der wichtigste Fluss im Südwesten der USA. Er versorgt 40 Millionen Menschen mit Frischwasser. Er ist aber ebenso der stark gefährdetste Fluss der Vereinigten Staaten. Durch ausbleibende Regenfälle und Dürren und dem massiven Nutzen des Wassers für Landwirtschaft kommt es vor, dass der Fluss bei seiner Mündung in den Golf von Kalifornien gar kein Wasser mehr trägt. Ebenso nehmen durch den Eingriff des Menschen (Staudämme) die Fischbestände immer mehr zurück. Machte der Lachs 1970 noch 80% aller gefangenen Fische aus, sind es heute nur noch 25%. Diese Entwicklung erschrickt und macht einem immer wieder klar wie gefährdet unser blauer Planet wirklich ist.

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Nach dem Canyon biegt der Colorado River nach links ab und wir rollen nach Gypsum ein. Jeff, von warmshowers, entwickelte sich zum Held des Tages. Er ist zwar nicht zu Hause, aber er lässt uns trotzdem in sein Haus. Was für eine unglaubliche Gastfreundschaft, hat er doch davor nur meine Stimme am Telefon bisher gehört. Der Vorteil von warmshowers oder Couchsurfing ist für uns vor allem, neben dem Dach über dem Kopf, der Herd. Wir können gemütlich unsere Nudeln zu bereiten und den Abend ausklingen lassen.

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Fahrtkilometer: 112
Höhenmeter: 883
Fahrtzeit: 5:43 Stunden

Donnerstag, 28.04.16

Albert hat heute früh mal  wieder ein Familienrezept ausgepackt und wundervolle Pancakes zubereitet. Yammy!

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Danach gehts auch schon los in das 65 KM entfernte Vail. Vail ist das grösste Skigebiet der USA und war Ausrichter der Alpinen Ski-WM im Jahr 2015. Allerdings ist Vail auch extrem teuer, aber zum Glück haben wir Dan. Ebenfalls von warmshowers bot er uns an eine Nacht zu bleiben. Super Typ.

Nach 10 KM faengt es auch schon wieder an zu regnen. Die Regentropfen fliegen uns ins Gesicht wie Nadelstiche und machen das Fahren mehr als ungemütlich. So geht es auch den restlichen Tag bis kurz vor Vail weiter. Oft haben wir auf der Tour gehört, dass wir früh dran sind. Das zeigt sich heute. Wir erreichen die Schneegrenze, davor spült der geschmolzene Schnee die Strassen und die Flüsse voll. Nicht von ungefähr kommt der Name, Mudseason, den wir heute öfters hören.

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Die Stecke heute führt über extrem viele Fahrradwege, was die Situation etwas lindert. Ebenso steigen wir immer mehr, was zur Folge hat, dass immer mehr Bäume vor uns auftauchen. Eine nette Abwechslung zur Wüste die letzten Wochen.

Wir kommen viel zu früh in Vail an. Nachdem Dan bis 16:00 Uhr arbeitet steuern wir ein Cafe an. Zumindest versuchen wir das. Vail’s Wintersaison hat letzte Woche sein Ende gefunden, der Ort ist buchstäblich ausgestorben. Cafes und Restaurants sind geschlossen, nach einer Ewigkeit finden wir endlich ein offenes.

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Als wir dann auch bei Dan eintrudeln ist es genau rechtzeitig. Hagel setzt ein und es fängt an zu Donnern. Die nächsten Tage sollen nicht viel besser werden, aber wir müssen weiter. In den nächsten 3 Tagen wollen wir die zwei letzten grossen Pässe bezwingen, beide 3.000 Meter hoch. Mal schauen was das wird.

Fahrtkilometer: 64
Höhenmeter: 729
Fahrtzeit: 3:39 Stunden

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2 Comments

  1. Kadda April 29, 2016

    Ist denn euer Zeitrahmen echt so knapp, dass ihr nicht ein bisschen das üble Wetter abwarten könnt? Haltet durch!
    Die Knackis und ich fiebern mit 😉

  2. Danny Wegner April 30, 2016

    Wishing you better weather, thanks for the great blog and keep up the good work!

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