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On the R(o)ad across America

Bei -10 Grad auf 3.600 Metern / Rockys bezwungen / Jetzt in Denver

Freitag, 29.04.16
Heute wollen wir von Vail nach Frisco. Das sind zwar nur um die 40-50 KM aber führt über den ersten 3.000 Meter Pass, Vail Summit.

Wir fahren bei Dan erst nach 10 Uhr entspannt los. Entlang des Gore Valley Trails radeln wir locker durch die Villen des Skiorts. Nach 10 KM beginnt der Anstieg. Wir kämpfen uns relativ gut und lange voran, bis der Fahrradweg anfängt verschneit zu sein. Ebenso fängt es leicht das Schneien an, jedoch kaum spürbar. Um so höher wir kommen, um so schlechter der Weg. Es geht soweit, dass wir unsere Fahrräder an einer Brücke über 1 Meter hohen Schnee heben müssen. So geht der Anstieg auch weiter. Abwechselnd fahren wir an schneefreien Abschnitten und dann schieben wir über Schnee.

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Nach einer langen Tortur erreichen wir endlich den Pass. Wir stehen auf 3.250 Meter. Ein Glücksgefühl stellt sich nicht wirklich ein, sind doch die Temperaturen auf unter 0 Grad gesunken. Der leichte Wind und zunehmender Schneefall macht dies nicht besser. Die Fußzehen fangen an taub zu werden. Also schnell runter hier.

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Bis nach Frisco sind es nur 20 Km und das bergab. Wir dachten wir sind schnell da. Falsch gedacht. Der Fahrradweg auf dieser Seite hörte nach 50 Metern auf. Unter 50 CM Schnee musste sich dieser irgendwo entlang schlängeln, aber der war nicht zu finden. Wir versuchten durch einen Tunnel zu kommen um auf der anderen Seite den Weg erreichen zu können. Alles keine Chance. Wir mussten die Interstate nehmen.

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Der Schneefall nahm immer mehr zu, ebenso zog auf dieser Seite des Passes der Nebel auf. Dieses Stück Interstate war alles andere als nett. Der Schnee fühlte sich wie Nadelstiche an und Finger und Fußzehen froren immer mehr. Nach einem Höllenritt erreichten wir endlich das 2.700 Meter hochgelegene Frisco.

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Ab ins billige Motel und was für ein Luxus, Whirlpool und Sauna. Ein absoluter Traum nach so einem Tag. Das Wetter scheint nicht besser zu werden und morgen muss über den 3.655 Meter hohen Loveland Pass. Hier schneit es gerade noch, mal sehen ob wir gut durchkommen.

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Fahrtkilometer: 52
Höhenmeter: 884
Fahrtzeit: 3:42

Samstag, 30.04.16
Der Tag heute ist absolut schwer in Worte zu fassen.

Der große Pass steht an. Der Blick aus dem Zimmerfenster lässt uns gleich erahnen, dass dieser Tag kein Zucker schlecken wird. Bei Schneefall und 0 Grad schwingen wir uns aufs Rad.

Dachten wir, wir können uns gemütlich ca. 30 KM einrollen bis der Anstieg beginnt, dachten wir falsch. Durch den starken Schneefall waren die Straßen matschig und nicht schön zu fahren. Der eigentliche Fahrradweg war teilweise vereist. Das mit Abstand gefährlichste Stück der gesamtem Tour ging über den Dillon Damm. Zwar war alles gerade aber der Fahrradweg war nicht fahrbar und die Straße auch total eingeschneit. Hinter uns stauten sich die Auto, obwohl wir über das Ding rasten. Plötzlich kein Straßenbelag mehr zu sehen und ich fing das Schlittern an. Mit größtem Glück schaffte ich es an die Leitplanke. Hätte es mich da hin gelegt, die Autos hätten nicht mehr rechtzeitig bremsen können. Mit ordentlich Adrenalin im Blut zogen sich diese zwei Kilometer ewig.

Kurz nach dem Örtchen Keystone sollte der Anstieg auf dem Highway 6 los gehen. Wir rollen relativ gemütlich an und dann zeigt und ein Verkehrsmelder den Worst-Case an „Loveland Pass CLOSED“. Absoluter Albtraum. Wir kämpfen uns erstmal nach Keystone und erfahren dann, dass der Pass doch offen ist aber in schlechtem Zustand. Nach einer 30-minütigen Debatte was wir jetzt machen, lagen doch auf den Pässen keine Hotels, starteten wir trotzdem.

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Der Highway 6 war stark befahren, war doch das Skigebiet A-Basin und Loveland immer noch offen und die Skifahrer und Snowboarder strömten zum Wochenende regelrecht auf die Pisten. Nach 4 Meilen erreichten wir das, auf 3.200 Meter gelegene, A-Basin Skigebiet. Die Blicke in unsere Richtung waren der Hammer. Wir wurden angeguckt wie Aliens die gerade gelandet sind.

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Nach 20-minütiger Pause griffen wir die letzten vier Meilen an. Die Temperatur sank immer mehr aber irgendwann tauchte endlich das Passschild auf. Das selbe Spiel wie im Skigebiet, nur ungläubige Blicke. Aber endlich geschafft, der letzte und zugleich höchste Pass der Tour, der 3.655 Meter hohe Loveland Pass, wurde bezwungen. Die Stimmung war ausgelassen.

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Doch das härteste Stück stand uns noch bevor. Bei -10 Grad auf dem Pass und dazu noch Fahrtwind wurde die Abfahrt eisig. Die Finger und Fußzehen froren wieder ein, das Gesicht ebenso. Nach 10 KM sollte mal wieder ein Fahrradweg kommen. Wie stellten uns aber schon darauf ein, dort nicht fahren zu können. So kam es dann auch und wir mussten mal wieder auf die I-70 um Georgetown und ein Motel zu erreichen.

Alles halb so wild, aber unsere Fahrräder waren komplett vereist. Es war kaum möglich die Gänge zu wechseln. Ebenso ließen sich sie Bremshebel komplett zurückziehen ohne wirkliche Bremswirkung zu erzielen. Das darfst du keinem erzählen, was wir da gemacht haben, aber wir sind heil angekommen. Die Dusche danach im Motel war ein absoluter Traum. Und morgen rollen wir hoffentlich in Denver ein.

In unseren F.A.Q.s steht das wir nicht verrückt sind. Nach diesem Tag müssen wir darüber vielleicht nochmal nachdenken. Ein bisschen sind wir es wahrscheinlich doch.

Fahrtkilometer: 61
Höhenmeter: 1.095
Fahrtzeit: 4:03 Stunden

Sonntag, 01.05.16
Denver, here we come.

Ich weiß nicht was Albert in seinem früheren Leben angestellt hat, es dürfte jedoch nichts gutes gewesen sein. Die mittlerweile siebte Speiche verabschiedete sich und dass obwohl das Hinterrad schon komplett gewechselt wurde. Irgendwer hat da was gegen ihn.

Jedenfalls starten wir mit etlicher Verspätung erst um 12:00 Uhr nach Denver. Es sind ca. 80 KM und das nur bergab, zumindest dachten wir das. Die Rockys sinken nicht langsam, sondern hören schlagartig vor Denver auf. Daher geht es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, erst einmal hoch und runter bis wir ca. 30 KM vor der Mile High City sind. Das letzte Stück Interstate steht an. Neben vier Spuren fahren wir auf dem Seitenstreifen als dieser plötzlich aufhört. Wir müssen auf eine richtige Spur wechseln. Wie von der Tarantel gestochen, schießen wir die 500 Meter bis zur Ausfahrt auf der rechten Spur entlang, unter lautem Hupkonzert. Aber nun ist das auch geschafft. Nun stehen wir am Ende der Rocky und vor uns geht es steil bergab und wir haben einen tollen Ausblick auf Denver.

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Entspannt rasen wir die Abfahrt herunter und rollen dann in Richtung Broomfield, ein kleiner Vorort von Denver, in dem wir bei der Familie Woodyard unterkommen. Wir werden herzlich empfangen und können es noch nicht realisieren die erste große Etappe geschafft zu haben. Jetzt wird erstmal für ein paar Tage entspannt, bis ich fliege.

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Von jetzt an übernehmen Albert und Bastian den Blog. Die positiven Reaktionen haben mich sehr gefreut und ich hoffe man verzeiht mir meine Rechtschreibfehler. Nach anstrengenden Tagen ist es nicht unbedingt immer die erste Priorität den Blog zu schreiben und man schaut nicht immer genau über das Geschriebene.

Fahrtkilometer: 84
Höhenmeter: 773
Fahrtzeit: 04:25 Stunden

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