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On the R(o)ad across America

Der Erie-Kanal, ein Experiment und weniger als 500 Km nach NYC!

Samstag, 11.06.2016

Heute versuchen wir ein Experiment! Stahlwade fühlt sich nicht ausgelastet und will einen „Power Day“ einlegen, Bergschlage ausschlafen und „entspannte 100 Km fahren“. Wir beschließen also noch am Vorabend mal einen Tag und eine Nacht alleine zu verbringen -nach über 70 Tagen zusammen auch mal dringend notwendig. Nachfolgend beschreiben wir den Tag aus unserer Sicht:

Stahlwade:

Der frühe Vogel fängt den Sturm! Mein Wecker klingelt um fünf. Ja, das ist früh, denke auch ich mir. Die Dämmerung wird von Blitzen durchzuckt und Donnergrollen lässt die Vögel verstummen. Ich raffe mich auf, um vor dem Regen meine Sachen gepackt zu haben.

Um 05:40 Uhr sitze ich im Sattel, die ersten Regentropfen fallen und ich gebe Volldampf auf die Pedale. Nach den ersten Metern schüttet es wie aus Kübeln, es knallt und blitzt wie wild, doch ich habe Glück und stehe unter einer Brücke.

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Immer wieder gibt es kleine Schauer, aber nass werde ich nur durch den Schweiß; es ist den ganzen Tag drückend heiß, die Luft scheint zu stehen, da ich mit dem Wind im Rücken fahre. Alle 30 km mache ich eine Pause und hinterlasse Basti eine Nachricht auf dem Weg.

Rochester ist heute meine persönliche Hölle. Der Radweg führt durch tausend verästelte Parkanlagen mit Kanälen und Schildern jeder Art, und da soll einer noch den richtigen Weg finden.

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Meine Karte besteht aus einem roten Strich an einem Kanal entlang und ist alles andere als detailiert. Als zusätzliche Herausforderung gibt es noch eine große Umleitung, die alles noch komplizierter macht.

Ich frage mich durch und schaffe es. Weiter mit Rückenwind mache ich teilweise 38 Km/h und liege gut in der Zeit. Ein Ziel habe ich nicht. Nach ca. 138 Km fülle ich meine Wasserflaschen an einer Tanke auf, da fragt mich aus dem Auto eine alte Dame wo es denn hingeht.

Smalltalk.

Dann hängt sie am Telefon, klärt etwas mit Sam und schickt mich zum „Fire Department of Lyons“.

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So stehe ich dankbar unter einer Dusche und darf auch mein Zelt hinter der Feuerwache aufschlagen. Ich hinterlasse Basti eine Nachricht auf dem Weg und entspanne mich nach dem langen Tag.

Fahrstrecke: 138 Km
Fahrtzeit: 6:33 Stunden
Höhenmeter: 213

Bergschlange:

Mein Iphone zeigt 5:56 Uhr als ich von heftigen Platzregen gefolgt von Donner und Blitzen geweckt werde. Ich öffne mein Zelt einen Spalt und sehe, dass Stahlwade schon aufgebrochen ist und denke mir nur: „hoffentlich hat er was zum unterstellen gefunden“.

Das Gewitter dauert nicht lange an und ich schlafe schnell wieder ein. Um 9:00 Uhr stehe ich auf, rühre mein Oatmeal an und frühstücke das erste Mal seit gut 70 Tagen alleine – schon irgendwie komisch!

Breakfast for one!

Breakfast for one!

Eine Stunde später ist alles abgebaut und der Drahtesel startklar. Ich rolle mit entspannten 20 Km/h über den Radweg und höre ein Hörbuch.

Nach 30 Km entdecke ich eine Nachricht:“ 9:00 Uhr, Panacke Albi“. Ich stoppe, esse einen der zwei Burritos, die wir uns gestern als „Pausenbrot“ gemacht haben, und strample weiter.

Gegen frühen Nachmittag stoppe ich in einer kleinen Stadt und genehmige mir ein schnelles Bier – draußen ist es drückend heiß und mir ist nach ein paar Minuten abkühlen, außerdem läuft ja die EM und sogar die Amerikaner übertragen jedes Spiel in voller Länge.

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Dann bin ich irgendwann in Rochester, einer Großstadt mit über 100.000 Einwohnern. Ein großes Straßengewirr mit ein dutzend Brücken und einer verzwickten Umleitung machens einem nicht leicht sich zurecht zu finden und kosten mich einige Nerven.

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Irgendwie schaff ichs wieder aus der Stadt und folge dem Kanal noch gut 40 Km. Da ich den ganzen Tag getrödelt hab und u.a. eine gute Stunde bei Starbucks verbracht habe, ist es bereits 18:45 Uhr als ich mein Nachtlager in Macedon, an einer alten Schleuse, errichte. Man darf hier kostenlos campen, außer ein paar Anglern bin ich jedoch der einzige hier. Ich habe 105 Km zurückgelegt und frage mich, wie weits wohl mein Compagnon geschafft hat.

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We decided to ride on our own for a day. Albert started at 5:40 am, while Basti slept until 9 and started at 10. Albert cycled about 85 miles and pitched his tent behind the fire department in lyons. Basti made 65 miles and camped at macedon at a free campsite.

Fahrstrecke: 105 Km
Fahrtzeit: 5:26 Stunden
Höhenmeter: 190
Sonntag, 12.06.2016

Basti: Ich stehe um 7:30 auf und starte eine halbe Stunde später. Meine Aufgabe heißt zunächst Albi wiederfinden! Da ich nicht weiß, wie weit er gekommen ist, trete ich stramm in die Pedale und finde rund 30 Km später eine Nachricht von ihm eingeritzt im Schotter.

Bisschen wie Schnitzeljagd!

Bisschen wie Schnitzeljagd!

Bei der Feuerwache ist er aber nicht! Ich versuche mich in ihn reinzuversetzen und sehe McDonalds eher 300 m entfernt. Ich weiß sofort, dass er dort sein muss und Bingo! Die Kojoten jagen ab sofort wieder im Rudel!

Alles klar Digga?

Alles klar Digga?

Wir fahren etwa 25 Km Straße, da dieses Teilstück am Kanal noch nicht fertig gestellt ist. Es ist kalt und ungemütlich zu fahren.

Nachmittags stoppen wir in einer kleinen Stadt, essen chinesisch und schauen uns Deutschland-Ukraine in einer kleinen Bar an. Es ist Sonntag und gut was los. Als wir mit den Rädern reinkommen sind wir sofort im Fokus und jeder will unsere Geschichte erfahren. Uns wird Bier und Popkorn ausgegeben und die Aufmerksamkeit wird uns fast unangenehm, eigentlich wollten wir ja entspannt einfach nur Fußball schauen. Wir überstehens, Deutschland gewinnt 2:0 und alles ist gut!

Kleine Provinzkneipe

Kleine Provinzkneipe

Im nächsten Ort schlagen wir unser Zelt direkt am Radweg auf.

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Found Albert in Lyons at McDonalds. We cycled to weedsport, where we watched germany vs. ukraine. Camped in Jordan on the erie canal trail.

Fahrstrecke: 87 Km
Fahrtzeit: 4:26 Stunden
Höhenmeter: 453

Montag, 13.06.2016

Stahlwade ist wieder früh auf den Beinen und erledigt ein paar Einkäufe. Zurück an den Zelten ist Bergschlage aus seiner Schlummerhöhle gekommen und gemeinsam bereiten die Zwei das tägliche Oatmeal.

Genau in der Mitte des Canals (Buffalo bis Albany)

Genau in der Mitte des Canals (Buffalo bis Albany)

Es ist kühl und die ersten Meter fallen schwer. Der Erie- Kanalweg führt durch grünes Buschwerk, es ist dämmrig, und macht die zwei Koyoten schläfrig. Da ist der Weg plötzlich zu Ende und es geht auf kleineren Straßen hinein in die Stadt Syracuse.

Metropolis-Gebäude im herzen von Syracuse

Metropolis-Gebäude im herzen von Syracuse

An einem kleinen Cafe mit ausgesprochen schönen Bedienungen, gibt es für die Jungs kalte Burritos vom Vorabend bevor es nach einer kleinen Pause weitergeht.

Der Weg aus der Stadt und schließlich wieder am Kanal entlang, zieht sich unendlich. Im italienisch angehauchten Ort Canastota, beschließen wir im nahe gelegenen Verona Beach State Park zu übernachten und am nächsten Tag einen Ruhetag ein zu legen.

Wir kaufen bei Aldi alles nötige für den nächsten Tag ein, dann machen wir die restlichen Kilometer und sind froh mal wieder einen See vor Augen zu haben.

Verona Beach State Park

Verona Beach State Park

Es weht ein kalter Wind vom See herein, dennoch Schlagen wir die Zelte direckt am Ufer auf. Der Abend klingt mit Sonnenuntergang und einer Dose Bier aus.

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Its a cold day and riding a bicycle isnt fun today. Followed the trail for about 50 miles and stayed at Verona Beach State Park.

Fahrstrecke: 84 Km
Fahrtzeit: 4:29
Höhenmeter: 222

Dienstag, 14.06.2016

Nach South Bend soll das heute endlich mal wieder ein Ruhetag werden. Albi schafft es sogar bis 10:30Uhr im Zelt liegen zu bleiben, selbst Basti hält es nicht so lange aus.

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Viel passiert heute nicht: Wir nehmen ein Bad im Oneida Lake der direkt vor unseren Zelten liegt, werfen ein paar Körbe auf dem heruntergekommenen Basketballplatz, lesen, lösen Sudoku, dösen, essen, trinken Kaffee, und hängen einfach ein wenig herum.

Köpper wie aus dem Lehrbuch! ...fast

Köpper wie aus dem Lehrbuch! …fast

Um überhaupt etwas nützliches für die Räder zu tun, werden die Sättel gefettet und die Ketten geölt. Das wars für heute auch schon.

Restday! We didnt do very much and spent the day with reading, playing ball and swimming.

Mittwoch, 15.06.2016

Die tägliche Routine ergreift uns: aufstehen, duschen, frühstücken und zusammenpacken, dann sitzen wir wieder im Sattel. Es ist wärmer, ja sogar heiß.

Der Erie-Kanal at its best!

Der Erie-Kanal at its best!

Wir folgen dem Kanal bis wir an eine Schleuse kommen, die gerade ein paar Boote aufnimmt. Wir halten, machen eine Pause und sehen dem Schauspiel zu.

Da kommt ein alter Herr auf seiner Gazelle angedüst und zack sind wir im Gespräch. Isiah ist 70 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Holland, ist nach Israel ausgewandert und fährt alle paar Jahre von Albany nach Toronto, imme am Erie-Kanal entlang. Nebenbei, er spricht sieben Sprachen, hat fast das doppelte an Gewicht auf seinem Esel und ist tüchtig auf zack. Cooler Typ!

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Isiah aus Holland bzw. Israel

Weiter gehts in der Mittagshitze Richtung Little Falls. Wir halten nur kurz für einen kleinen Snack bei Aldi, und sitzen wieder im Sattel, da kommen wir prompt an einem riesigen Donald Trump Plakat vorbei. Bevor uns der Besitzer volltexten kann, machen wir ein Foto und rasen davon.

Unser Freund der Donald

Ob dieser Donald tatsächlich der richtige für den Job ist? Stahlwade ist sich da nicht ganz sicher

Die letzten Meter sind noch einmal hart; die Sonne brennt, es ist hügelig und uns deht der Saft aus. Doch wir erreichen den kleinen Hafen von Little Falls und schlagen hier unsere Zelte für die Nacht auf.

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We are back on the Road and it feels great! We are still on the canal trail and ended up in Little Falls, where we were allowed to stay at the harbour for just 10$.

Fahrstrecke: 88
Fahrtzeit: 4:19
Höhenmeter: 261

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1 Comment

  1. Mutti Juni 16, 2016

    Ach Stahlwade die angelegenheit wird ja immer haarrriger(bärtiger);)
    Küsschen

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